Streit um NATO-Ausgaben und Iran-Krieg eskaliert beim Gipfel in Ankara
Der Streit zwischen den USA und Spanien hat beim NATO-Gipfel in Ankara eine neue Eskalationsstufe erreicht. US-Präsident Donald Trump kündigte an, den Handel mit Spanien einstellen zu wollen. Er warf der Regierung in Madrid vor, ein schlechter Partner innerhalb der NATO zu sein.
Hintergrund sind vor allem zwei Konflikte: Spanien lehnt das von Trump geforderte NATO-Ziel von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben ab. Außerdem hatte Madrid den USA im Iran-Krieg die Nutzung spanischer Stützpunkte und des Luftraums verweigert.
Trump attackiert Spanien scharf
Trump erklärte am Rande des Gipfels, er wolle keine Geschäfte mehr mit Spanien machen. Nach mehreren Berichten wies er seinen Finanzminister Scott Bessent öffentlich an, den Handel mit Spanien einzustellen.
Die Äußerungen sorgten international für Aufsehen, weil Spanien nicht nur NATO-Mitglied ist, sondern auch Teil der Europäischen Union und des europäischen Binnenmarktes.
Ein vollständiger Handelsstopp gegen ein einzelnes EU-Land wäre deshalb rechtlich und praktisch schwierig umzusetzen.
Spanien reagiert gelassen
Die spanische Regierung reagierte betont ruhig. Aus dem Umfeld von Ministerpräsident Pedro Sánchez hieß es, man nehme Trumps Aussagen mit Ruhe und Normalität zur Kenntnis.
Spanien betonte zugleich, dass die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA weiterhin ausgezeichnet seien. Madrid habe nicht die Absicht, daran etwas zu ändern.
Sánchez selbst sagte, er nehme die Kritik „mit Ruhe und Geduld“ hin. Vor dem Gruppenfoto beim NATO-Gipfel habe er mit Trump sogar freundlich über Fußball und die Weltmeisterschaft gesprochen. Spannungen habe es in diesem kurzen Austausch nicht gegeben.
EU stellt sich hinter Spanien
Auch die EU-Kommission stellte sich hinter Spanien. In Handelsfragen sprechen nicht einzelne Mitgliedstaaten mit den USA, sondern die Europäische Union als Ganzes.
Das macht Trumps Drohung kompliziert. Spanien ist Teil der EU-Zollunion und des Binnenmarktes. Ein gezielter Handelsstopp gegen Spanien würde deshalb auch europäische Regeln und bestehende Handelsabkommen berühren.
Mehrere Experten weisen darauf hin, dass Trump zwar Zölle oder bestimmte Maßnahmen verhängen könnte, ein kompletter Handelsabbruch aber schwer umzusetzen und rechtlich angreifbar wäre.
USA verkaufen mehr nach Spanien als umgekehrt
Auch wirtschaftlich wäre ein Handelsstopp nicht einseitig zum Nachteil Spaniens.
Nach Angaben mehrerer Berichte lag der Warenhandel zwischen Spanien und den USA 2025 bei rund 42 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 23 Milliarden Euro auf US-Exporte nach Spanien und rund 19 Milliarden Euro auf spanische Exporte in die USA.
Die USA erzielen im Warenhandel mit Spanien also einen Überschuss.
Für Spanien wären vor allem bestimmte Branchen betroffen, darunter Maschinenbau, Chemie, Autoteile, Stahl, Baustoffe und Lebensmittel wie Olivenöl. Gleichzeitig könnten auch US-Unternehmen und Investoren Schaden nehmen.
Konflikt schwelt schon länger
Der aktuelle Streit kommt nicht überraschend. Spanien ist innerhalb der NATO seit Monaten ein schwieriger Partner für Trump.
Die Regierung von Pedro Sánchez lehnt das Ziel ab, 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Stattdessen verweist Madrid darauf, dass Spanien seine konkreten NATO-Verpflichtungen erfülle und dafür deutlich weniger als 5 Prozent nötig seien.
Hinzu kommt Spaniens Haltung im Nahost-Konflikt. Madrid kritisierte den US-Krieg gegen Iran, verweigerte die Nutzung spanischer Stützpunkte für Angriffe und gehört innerhalb der EU zu den schärfsten Kritikern Israels.
Spätere Kehrtwende von Trump
Kurz nach der scharfen Attacke schlug Trump offenbar wieder mildere Töne an. Auf dem Rückflug nach Washington lobte er Spanien plötzlich und sprach von einem „beeindruckenden Comeback“.
Nach Berichten verwies Trump dabei auf eine größere Zahlung, der Spanien nachgekommen sei. Details dazu blieben zunächst unklar.
Damit bleibt offen, wie ernst die Drohung mit einem Handelsstopp tatsächlich zu nehmen ist. In Brüssel und Madrid wird darauf verwiesen, dass Trump Spanien schon mehrfach mit wirtschaftlichen Maßnahmen gedroht hatte, ohne diese anschließend vollständig umzusetzen.
Was das für Spanien bedeutet
Für Spanien ist der Streit dennoch relevant. Die USA sind ein wichtiger Markt für spanische Unternehmen und ein bedeutender Investor im Land.
Noch größer als ein möglicher Handelsstopp ist aber die Unsicherheit. Wenn Unternehmen nicht wissen, ob Zölle, Sanktionen oder politische Maßnahmen drohen, können Investitionen und Geschäftsentscheidungen zurückgestellt werden.
Für Spanien kommt der Konflikt zudem zu einem innenpolitisch schwierigen Zeitpunkt. Sánchez steht unter Druck, höhere Verteidigungsausgaben durchzusetzen, während linke Koalitionspartner mehr Geld für Wohnen, Gesundheit und Bildung fordern.
Fazit
Donald Trump hat beim NATO-Gipfel in Ankara den Streit mit Spanien deutlich verschärft und mit einem Handelsstopp gedroht. Hintergrund sind Spaniens Ablehnung des 5-Prozent-Ziels bei den Verteidigungsausgaben und Madrids Haltung zum Iran-Krieg.
Die wichtigsten Punkte:
- Trump droht Spanien mit einem Handelsstopp
- Spanien lehnt das NATO-Ziel von 5 Prozent Verteidigungsausgaben ab
- Madrid verweigerte den USA die Nutzung von Stützpunkten im Iran-Krieg
- Spanien reagiert gelassen auf die Drohung
- die EU-Kommission stellt sich hinter Spanien
- ein Handelsstopp gegen ein einzelnes EU-Land wäre schwer umzusetzen
- die USA exportieren mehr nach Spanien als umgekehrt
- später lobte Trump Spanien überraschend wieder
Der Konflikt zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen Spanien und den USA derzeit ist. Gleichzeitig wird deutlich: Da Spanien Teil der EU ist, kann Washington Madrid handelspolitisch nicht so einfach isolieren.
Quellen
n-tv – „Trump will allen US-Handel mit Spanien einstellen“
https://www.n-tv.de/politik/Trump-will-allen-US-Handel-mit-Spanien-einstellen-id31061297.html
tagesschau – „Trump will Handel mit Spanien einstellen“
https://www.tagesschau.de/ausland/trump-spanien-102.html
WELT – „Sánchez spielt Wutrede Trumps über Spanien herunter“
https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/politik_ausland_nt/article6a4e63febb0cf80de56a27e3/sanchez-spielt-wutrede-trumps-ueber-spanien-herunter.html
WELT – „Spanien hat heute ein beeindruckendes Comeback hingelegt“
https://www.welt.de/politik/ausland/article6a4f104843b7fd5185002ec4/ploetzliche-kehrtwende-spanien-hat-heute-ein-beeindruckendes-comeback-hingelegt-trump-nach-handels-stopp-voll-des-lobes.html
Euronews – „Trump gegen Spanien: Wie weit reicht seine Drohung zum Handelsstopp?“
https://de.euronews.com/business/2026/07/08/trump-gegen-spanien-wie-weit-reicht-seine-drohung-zum-handelsstopp
Tagesspiegel – „Trump will alle Handelsbeziehungen mit Spanien abbrechen – Sánchez bleibt gelassen“
https://www.tagesspiegel.de/internationales/schimpftirade-im-nato-streit-trump-will-alle-handelsbeziehungen-mit-spanien-abbrechen–sanchez-bleibt-gelassen-15816204.html

