Mehr als die Hälfte der Fälle ist bereits bearbeitet
Spanien hat im Rahmen seines Regularisierungsprogramms deutlich mehr Anträge erhalten als ursprünglich erwartet. Nach Angaben der Staatsministerin für Migration, Pilar Cancela, wurden insgesamt 1.174.978 Anträge auf einen Aufenthaltstitel gestellt.
Die Frist für das im April gestartete Programm ist inzwischen abgelaufen. Ursprünglich hatte die spanische Regierung mit rund 500.000 Anträgen gerechnet. Am Ende waren es mehr als doppelt so viele.
Mehr als die Hälfte der Anträge ist nach Regierungsangaben bereits bearbeitet.
Wer einen Antrag stellen konnte
Das Programm richtete sich an Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus, die bereits in Spanien lebten.
Voraussetzung war unter anderem, dass Antragsteller nachweisen konnten, sich zum Stichtag bereits seit mindestens 5 Monaten in Spanien aufgehalten zu haben. Außerdem durften sie nicht vorbestraft sein.
Wer zugelassen wird, kann zunächst eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis mit Arbeitserlaubnis erhalten. Nach einem Jahr kann diese in eine reguläre Aufenthaltserlaubnis umgewandelt werden.
Die Behörden haben nun 3 Monate Zeit, die noch offenen Anträge zu prüfen.
Viele Antragsteller aus Lateinamerika
Ein großer Teil der Anträge kam von Menschen aus Lateinamerika.
Nach Angaben der Regierung stammen 67 Prozent der Antragsteller aus lateinamerikanischen Ländern. Die größte Gruppe bilden Menschen aus Kolumbien mit 25,9 Prozent aller Anträge.
Danach folgen:
- Marokko: 13,3 Prozent
- Venezuela: 11,8 Prozent
- Peru: 8,8 Prozent
Antragsteller aus Afrika machten insgesamt 22,9 Prozent aus.
Auffällig ist auch die Altersstruktur: 8 von 10 Antragstellern waren jünger als 45 Jahre. Männer waren mit 57 Prozent in der Mehrheit.
Spanien setzt auf Integration in den Arbeitsmarkt
Die spanische Regierung begründet das Programm vor allem mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zielen. Menschen, die bereits im Land leben, sollen aus der informellen Beschäftigung herausgeholt und in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden.
Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete die Regularisierung als gute Entscheidung für die spanische Wirtschaft. Gleichzeitig sprach er von Herausforderungen bei der Integration.
Für Spanien ist das Thema besonders wichtig, weil viele Branchen auf Arbeitskräfte angewiesen sind. Dazu gehören unter anderem:
- Tourismus
- Gastronomie
- Landwirtschaft
- Pflege
- Baugewerbe
- haushaltsnahe Dienstleistungen
Viele Menschen arbeiten bereits in diesen Bereichen, allerdings oft ohne vollständige rechtliche Absicherung.
Anderer Kurs als viele EU-Länder
Mit dem Programm geht Spanien einen anderen Weg als viele andere europäische Staaten. Während mehrere EU-Länder ihre Migrationspolitik verschärfen, setzt Madrid stärker auf Legalisierung und Integration bereits im Land lebender Menschen.
Das sorgt in Spanien für politische Diskussionen.
Aus der Wirtschaft gibt es Zustimmung, weil viele Unternehmen dringend Arbeitskräfte suchen. Konservative und rechte Oppositionsparteien lehnen das Programm dagegen ab. Sie argumentieren, die Maßnahme könne irreguläre Migration zusätzlich fördern.
Was bedeutet das für Spanien?
Die hohe Zahl der Anträge zeigt, wie groß die Zahl der Menschen ist, die bereits in Spanien leben, aber bisher keinen gesicherten Aufenthaltsstatus hatten.
Für die Verwaltung ist das eine enorme Aufgabe. Mehr als 1 Million Anträge müssen geprüft, entschieden und dokumentiert werden. Gleichzeitig soll das Verfahren helfen, mehr Menschen in reguläre Beschäftigung, Sozialversicherung und Steuerzahlung zu bringen.
Ob das gelingt, hängt stark davon ab, wie schnell und zuverlässig die Behörden die Anträge bearbeiten können.
Bedeutung für Auswanderer und Residenten
Für deutsche Auswanderer und Residenten betrifft das Programm in der Regel nicht den eigenen Aufenthaltsstatus. EU-Bürger haben andere rechtliche Grundlagen für ihren Aufenthalt in Spanien.
Trotzdem ist die Entwicklung wichtig, weil sie viele Bereiche des Alltags beeinflussen kann.
Dazu gehören:
- Arbeitsmarkt
- Pflege und Betreuung
- Gastronomie
- Tourismus
- Landwirtschaft
- Behörden
- Integration
- politische Debatten im Land
Wer dauerhaft in Spanien lebt, wird solche Entwicklungen vor allem im Dienstleistungssektor, in der öffentlichen Diskussion und bei der Frage nach Arbeitskräften bemerken.
Fazit
Spanien hat sein Regularisierungsprogramm mit deutlich mehr Anträgen abgeschlossen als erwartet. Insgesamt wurden 1.174.978 Anträge gestellt. Mehr als die Hälfte ist bereits bearbeitet.
Die wichtigsten Punkte:
- 1.174.978 Anträge auf Aufenthaltstitel
- ursprünglich wurden rund 500.000 erwartet
- mehr als die Hälfte bereits bearbeitet
- 67 Prozent der Antragsteller stammen aus Lateinamerika
- größte Gruppe: Kolumbien mit 25,9 Prozent
- Antragsteller aus Afrika machen 22,9 Prozent aus
- 8 von 10 Antragstellern sind jünger als 45 Jahre
- Ziel ist die Integration in den regulären Arbeitsmarkt
Spanien setzt damit auf einen anderen Weg als viele andere EU-Länder. Die Regierung sieht darin eine wirtschaftliche Chance, während die Opposition vor Fehlanreizen warnt. Klar ist: Die hohe Zahl der Anträge zeigt, wie groß der Handlungsdruck im spanischen Einwanderungssystem ist.
Quellen
WELT – „1.174.978 Migranten beantragten Aufenthaltstitel in Spanien – mehr als die Hälfte bereits bearbeitet“
https://www.welt.de/politik/ausland/article6a467f05396d6d1a967b83a5/1-174-97-migranten-beantragten-aufenthaltstitel-in-spanien-mehr-als-die-haelfte-bereits-bearbeitet.html
Deutsche Welle – „Spanien: Über eine Million Ausländer wollen Aufenthaltstitel“
https://www.dw.com/de/migration-auslaender-spanien-arbeitserlaubnis-antrag-aufenthaltstitel-eu-schengen/a-77771923

